Bonifatiuswerk - Spendenaktion

"Hier gewinnt Menschlichkeit einen konkreten Platz in der Gesellschaft“, sagt der Generalsekretär des Bonifatiuswerkes, Monsignore Georg Austen, der sich selbst ein Bild vor Ort gemacht hat.

Essensausgabe Alimaus Dezember 2020

So lautet der vorletzte Satz der Reportage des Hilfswerks über die aktuelle Situation in der Alimaus und über die wichtige Arbeit des Gesundheitsmobils der Alimaus. 

"Mit dem Gesundheitsmobil fährt ein Team aus Ärzten und Krankenpflegern, die alle ehrenamtlich arbeiten, immer sonntags zum Hamburger Hauptbahnhof und zur Reeperbahn, um dort Wohnungslosen und Menschen ohne Krankenversicherung eine ärztliche Notversorgung zu ermöglichen. "

Hartkopf und Austen vor dem Gesundheitsmobil 2020 

 Gesundheitsmobil Dr_Wegmann_mit_der_Patientin_Mariana_2020  Gesundheitsmobil Ärztinnen 2020

Das Hilfswerk unterstützt diese wertvolle Arbeit der Alimaus durch ihre Spendenaktion und die Förderung des Gesundheitsmobils für ein ganzes Jahr. Herzlichen Dank dafür!

 

Die Reportage: 

Vergessenen Menschen ein Gesicht geben  

Die Tageseinrichtung Alimaus in Hamburg Altona bietet wohnungslosen und bedürftigen Menschen ein vielfältiges Angebot

Es leuchtet, es glänzt, Musik tönt aus den Bars und Clubs - die Reeperbahn. Als die bekannte Vergnügungsmeile im Hamburger Stadtteil St. Pauli lockt sie mit bunter und schriller Leuchtreklame. Sie ist der verkörperte Inbegriff von Freude und Ausgelassenheit – auf den ersten Blick. Auf den zweiten Blick verliert dieses freudig sorglos einnehmende Spektakel seine Farben und trägt bedrückende Bilder zu Tage, die von so einer reichen Stadt wie Hamburg eigentlich nicht zu erwarten sind. Dort leben Menschen ihr Leben auf der Straße. „Ich wohne hier schon ein bisschen länger, seit 27 Jahren“, sagt eine Frau in den 50er Jahren, die von allen „Moni“ genannt wird. Auf der Vergnügungsmeile hat sie sich ihr kleines „Zuhause“ eingerichtet. Vor ihrer Schlafstätte hat sie den Platz wie ein kleines Wohnzimmer mit Rosen in einer Vase dekoriert. 

Nur wenige Meter von dort entfernt steht an einem dieser vielen nasskalten Sonntage das Gesundheitsmobil der Alimaus, das auch Moni des Öfteren aufsucht. Die Einrichtung, die vom Hilfsverein St. Ansgar getragen wird und sich seit 1999 in einem roten finnischen Blockhaus in unmittelbarer Nähe der Reeperbahn befindet, bietet neben einer Essensausgabe, einer Kleiderkammer und einem Kältebus medizinische Betreuung in der Einrichtung und in einer mobilen Praxis an. Mit dem Gesundheitsmobil fährt ein Team aus Ärzten und Krankenpflegern, die alle ehrenamtlich arbeiten, immer sonntags zum Hamburger Hauptbahnhof und zur Reeperbahn, um dort Wohnungslosen und Menschen ohne Krankenversicherung eine ärztliche Notversorgung zu ermöglichen. 

Dr. Gyde Wegmann gehört seit mehreren Jahren zum 22-köpfigen Team des Gesundheitsmobils. Ihre ehrenamtliche Unterstützung sieht sie neben ihrer eigentlichen Arbeit als Internistin als selbstverständlich an, um gegen die Differenzen und Ungerechtigkeiten unserer Gesellschaft ein Zeichen zu setzen. „Das ist nicht die Riesenarbeit, wenn man sich mal zwei Stunden die Woche hinstellt und sein Wissen anderen zur Verfügung stellt. Ich finde, wenn es mir so gut geht, kann ich das auch weitergeben und Menschen helfen, denen es nicht so gut geht.“ Solange es Ehrenamtliche gäbe, die einen Sinn darin sehen, auch für die Allgemeinheit etwas zu tun, gäbe es noch Hoffnung, zeigt sich die Ärztin überzeugt. 

Hoffnung schenkt sie mit ihrem Engagement auch Mariana Gheorghe, die alle zwei Wochen zur mobilen Gesundheitspraxis kommt. Da sie zurzeit keine Arbeit und keine Krankenversicherung hat, ist dieses Angebot ihre einzige Möglichkeit, um die Tabletten zu bekommen, die sie regelmäßig einnehmen muss. Sie ist an diesem Tag eine von 24 Patienten, die das ehrenamtliche Ärzteteam innerhalb von zweieinhalb Stunden versorgt. Mit den beginnenden Wintermonaten steige der Bedarf an Asthmaspray und Antibiotika für häufig auftauchende Atemwegserkrankungen der Patienten. So koste allein eine Behandlung dieser Symptome schnell 50 bis 60 Euro, erklärt Roland Kelm, der Initiator der mobilen Gesundheitspraxis. 

Diese Medikamente sowie alle anderen Angebote der Alimaus werden allein durch Spendenmittel finanziert. Dass diese mit der Corona-Pandemie zurückgegangen sind, mache die tägliche Arbeit nicht einfacher, bestätigt die Leiterin der Tageseinrichtung, Christiane Hartkopf, mit Blick auf die Lebensmittelspenden. „Wir sehen es an den Gästen, die wir schon lange kennen. Nicht nur die, die auf der Straße leben, sondern auch diejenigen, die eine kleine Unterkunft haben, sind alle sehr dünn geworden. Das sind keine guten Voraussetzungen für den nahenden Winter.“ 

Hinzu komme, dass im Essenssaal der Einrichtung, in dem die Gäste regulär ein Frühstück und eine warme Mahlzeit serviert bekommen, unter Corona-Maßnahmen nur 15 Gäste Platz hätten. Unter normalen Bedingungen können dort 60 Menschen gleichzeitig empfangen werden. „Unsere größte Sorge im Moment ist, dass wir keinen Platz anbieten können. Und es fehlt die Möglichkeit, sich aufzuwärmen, sich zu unterhalten und sich wahrgenommen zu fühlen“, beklagt Christiane Hartkopf. Dennoch versuchen sie und ihr Team, auf die Gegebenheiten zu reagieren und im Sinne des Mitbegründers Pfarrer Alfons Rohtert zu handeln. Ein Mann, dessen Haus immer offen stand und der für manch ein Problem unkonventionelle Lösungen fand. „Wir bemühen uns, anpassungsfähig zu bleiben. Wir waren zum Beispiel mit dem Kältebus unterwegs, der Wohnungslose mit Schlafsäcken und warmer Kleidung ausstattet und sie zu Notunterkünften fährt, und haben gesehen, dass viele Menschen eine medizinische Unterstützung brauchen“, sagt Hartkopf. Mit dem Gesundheitsbus wurde auf diese Situation reagiert. Auch in den ersten Wochen der Corona-Pandemie, in der die Einrichtung geschlossen bleiben musste, hat das Alimaus- Team Essen mit dem Kältebus in der Stadt verteilt. Es sei wichtig, sich die Flexibilität zu behalten und zu sehen, wo welche Not sei, um entsprechend reagieren zu können und nicht in Lethargie zu verfallen.

Seit einigen Monaten werden daher auch Lunchpakete vor der Einrichtung verteilt, denn vor der Tür der Alimaus warten täglich etwa 200 Menschen. Belegte Brote, warmes Essen, Getränke, Obst, Joghurt und Gebäck werden von den ehrenamtlichen Helfern tagtäglich zusammengepackt. Die Spenden dafür kommen unter anderem von Supermärkten, Großkantinen oder auch christlichen Gemeinden, die beispielsweise Gemüse vom Erntedankfest an die Alimaus abgeben. Beim Zubereiten der warmen Mahlzeit ist Improvisationstalent gefragt. Entsprechend der vorhandenen Zutaten wird etwas Nahrhaftes gekocht. Der 33-jährige Patrick Malsch hat seine Aufgabe in der Alimaus gefunden. Er ist nach einem dreimonatigen Praktikum in der Einrichtung hängengeblieben. Mittlerweile ist er hauptberuflich in der Küche tätig. „Es ist gut, wenn aus dem Essen noch etwas gemacht wird, was sonst im Müll landen würde.“ Er selbst habe schon schwierige Situationen durchlebt, deswegen sei es ihm ein besonderes Anliegen, Leuten zu helfen, die nicht so viel haben. Es gelte nicht aufzugeben, egal was einem passiere. 

Schon um 10 Uhr stehen morgens die ersten Gäste vor der roten Eingangstür am Nobistor 42 in Hamburg, um ab 12 Uhr eines dieser gepackten Lunchpakete in Empfang nehmen zu können. Für viele ist es die erste und einzige Mahlzeit am Tag. „Es muss reichen“, bekennt ein 62-jähriger Gast, der schon seit den Anfängen im Jahr 1992 das Angebot der Alimaus dankend in Anspruch nimmt.   

 „Es wird nicht gezögert, es wird nicht gefragt, es wird angepackt. Durch das unermüdliche Engagement der Mitarbeiter und der vielen ehrenamtlichen Helfer wird die Alimaus zu einem hoffnungsvollen Ort, der auf beeindruckende Weise zeigt, wie Menschen sich ohne Ressentiments auf Augenhöhe in christlicher Haltung für den Anderen einsetzen. Hier gewinnt Menschlichkeit einen konkreten Platz in der Gesellschaft“, sagt der Generalsekretär des Bonifatiuswerkes, Monsignore Georg Austen, der sich selbst ein Bild vor Ort gemacht hat. Das Hilfswerk unterstützt diese wertvolle Arbeit der Alimaus.