Eine Bilanz: 3 Monate Kältebus Alimaus Hamburg

PRESSEMITTEILUNG

Eine Bilanz: 3 Monate Kältebus Alimaus Hamburg

- 179 Transporte obdachloser Menschen in das Winternotprogramm

- 394 Schlafsäcke und 258 Isomatten gegen die Kälte verteilt

- 1.548 ehrenamtlich geleistete Arbeitsstunden vom 05.01. bis zum 31.03.2019

- 5.583 gefahrene Kilometer

 

Hamburg, 03.04.2019 – Drei sehr bewegte und bewegende Monate mit dem Kältebus Alimaus Hamburg gehen zu Ende. Nach nur 3 Wochen Planungs- und Vorbereitungszeit startete am 5. Januar der rote Bus zu seiner ersten Tour.

„Anfangs stellten einige Stellen die Notwendigkeit in Frage, doch es zeigte sich gleich in den ersten Tagen, wie wichtig, richtig und sinnvoll der Einsatz eines Kältebusses in dieser Stadt ist.“ So das Fazit von Christiane Hartkopf, Leiterin der Alimaus.

Obdachlose Menschen, die nichts weiter als ihre Kleidung bei sich trugen, nassgeregnete Schlafsäcke, Socken und Schuhe, Menschen, die den Weg in die Winternotunterkunft nicht alleine fanden und leider immer wieder Menschen, die wir in einem bedenklichen Gesundheitszustand antrafen.

179 Transporte von obdachlosen Menschen über das gesamte Hamburger Stadtgebiet verteilt ist der Bus gefahren. Diejenigen, die sich die Übernachtung in einer Massenunterkunft nicht vorstellen konnten, konnten wir vor Ort mit dem Nötigsten versorgen.

Wer einmal die große Unterkunft in der Friesenstrasse betreten hat, versteht, warum so viele Menschen lieber draussen bleiben möchten. Ein paar Hundert Menschen, sehr viele mit Suchtkrankheiten oder psychischen Problemen, sollen sich in einem Haus arrangieren. Das Securitypersonal ist entsprechend gefordert und angespannt, die Atmosphäre laut und unruhig.

Das Argument man habe so „alles besser im Blick“, das laut fördern&wohnen FÜR eine Unterkunft dieser Größe spricht, können wir nicht nachvollziehen. Die Fälle, in denen wir Menschen dorthin brachten, die mehr Fürsorge benötigten, also eine ärztliche Behandlung oder eine Untersuchung durch den sozialpsychiatrischen Dienst haben wir persönlich, teils mit Krankenhausbericht, an die Mitarbeiter übergeben.

Am nächsten Tag war der Krankenhausbericht verschwunden, es fand sich keinerlei Notiz, die Tagschicht wurde nicht informiert und der Gast mußte das Haus um 9.30 Uhr verlassen.

Ganz anders die Unterbringung in der Kollaustraße. Kleiner und deutlich entzerrter. Also auch ruhiger.

Nur leider nicht geeignet für Menschen, die nicht mobil sind. Wie sollen Menschen die Strecke täglich bewältigen, wenn sie Tagesaufenthalte aufsuchen möchten? Es gibt einen morgendlichen Shuttle zum Hauptbahnhof, viele Einrichtungen befinden sich aber in Altona oder St. Pauli.

Eine Frage, die wir auch im persönlichen Gespräch mit fördern&wohnen nicht restlos klären konnten ist die nach der Anonymität. Im Flyer wird die Möglichkeit einer anonymen Nutzung ausgelobt.

Wie paßt das zusammen damit, daß nur leistungsberechtigte Personen ein Recht auf eine Unterbringung haben und man den Wunsch an uns herantrug, die Personalien bereits im Bus aufzunehmen? Einem Wunsch, dem wir selbstverständlich nicht entsprochen haben.

Ebenfalls für uns nicht hinreichend geklärt blieb die Frage nach dem Grund für die 8-stündige Schließung der Unterkünfte am Tag.

Was uns alle sehr berührt und nachdenklich macht, ist die große Anzahl kranker und unversorgter Menschen auf der Straße.

Warum gibt es also keine medizinische Versorgung in der Kollaustraße?

Warum gibt es nur an wenigen Tagen in der Woche eine Versorgung durch mobile Hilfen in der Friesenstraße?

Wie kann es sein, daß Krankenhäuser obdachlose Menschen nach der Akutversorgung um 10 Uhr abends im Winter wieder auf die Straße entlassen?

Gesetzt den Fall, sie können laufen, findet sich vielleicht in den kommenden Tagen ein Platz für sie in der Krankenstube der Caritas oder des Pik As. Sind sie nicht mobil gibt es keinen Ort, an dem sie sich von einer OP oder von einer Krankheit, die nicht zwingend den Aufenthalt im Krankenhaus vorschreibt, erholen können. Keine der städtischen Unterkünfte mit medizinischem Personal ist in der Lage Menschen mit eingeschränkter Mobilität aufzunehmen.

Eine Hamburger Ärztin schreibt zu der Gefahr, der obdachlose Menschen durch Nässe und Kälte ausgesetzt sind:

"Auch eine nasskalte Nacht bei Plusgraden kann unter Umständen lebensbedrohlich für die Menschen sein. Ein niedrigschwelliges, ganzjähriges Notunterkunftsangebot, das für alle offen ,unbürokratisch nutzbar und 24 h geöffnet ist, bleibt eine Utopie, aber was dringend aufgestockt werden müsste sind Plätze für schwer erkrankte Menschen ohne Obdach.

Sich auf der Straße bei halbwegs robuster Gesundheit täglich durchzukämpfen ist unvorstellbar hart und gefährlich, wenn man unter schweren Erkrankungen leidet, nahezu unmöglich."

Auf die Frage an fördern&wohnen und die BASFI zu Plänen für diese Personengruppe haben wir noch keine Antwort erhalten.

Insgesamt haben sich über 40 Helfer die Nächte aufgeteilt. In 3er-Teams sind sie telefonischen Hinweisen, die auf der Kältebuseigenen Nummer eingingen gefolgt, sind zu den Menschen gegangen, haben den Transport in eine Unterkunft angeboten, Schlafsäcke, Isomatten und Decken gegen die Kälte verteilt, haben mit den Menschen gesprochen und auch durch diese Nähe zusammen mit einem Tee ein bisschen Wärme und Trost geben können.

Sie sind überhaupt das Wichtigste, um so ein Projekt ins Rollen zu bringen!

Über 40 Menschen, die sich innerhalb nur weniger Tage fanden, um unbürokratisch und direkt Hilfe zu leisten für Menschen, die sich in ihrer Situation häufig nicht mehr selber helfen konnten. Die täglich bei Nässe, Kälte und Dunkelheit zu den obdachlosen Menschen gingen, mit ihnen sprachen, menschlich waren. Ganz egal, ob eine Leistungsberechtigung vorliegt.

Und sicher hat jeder von Ihnen wenigstens eine Situation erlebt, die ihn erschüttert hat und die er mit in die Nacht und nach Hause nehmen mußte.

All diesen Helfern gilt unser ganz großer Dank!

Ebenfalls danken möchten wir den Initiativen, die uns von der ersten Sekunde an mit Sachspenden unterstützt haben und von denen auch einige Helfer, zusätzlich zu ihrem bereits bestehenden Engagement, beim Projekt Kältebus mit dabei waren.

Zu nennen sind hier Bergedorfer Engel e.V. Obdachlosenhilfe, Hamburger Gabenzaun e.V. am Hauptbahnhof, MAhLZEIT Altona, Johanniter Gesundheitsmobil Hamburg, Hanseatic Help, Wooligans – stricken für obdachlose Menschen in Hamburg, DRK Obdachlosenhilfe Wandsbek und der Förderverein des Winternotprogramm.

Ein Dankeschön auch für die vertrauensvolle Zusammenarbeit an das Team der Bahnhofsmission Hamburg und vom Mitternachtsbus.

Eine Telefonnummer, die sich noch mehr Hamburger merken sollten, die Nummer vom Kältebus: 0151 65 68 33 68

In den Wintermonaten von November bis März täglich von 19 bis 24 Uhr in Hamburg.

 

Über die Alimaus

Tagsüber bieten wir am Nobistor obdachlosen und bedürftigen Menschen zwei Mahlzeiten am Tag, Kleidung, Möglichkeiten zur Hygiene und medizinischer Versorgung und Seelsorge an.

Täglich sind bei uns durchschnittlich 300 Menschen zu Gast.

 

Über den Alimaus Kältebus

Von November bis März fährt der Alimaus Kältebus als Erfrierungsschutz für obdachlose Menschen, die auch im Winter auf der Straße übernachten.

Die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Kältebusses versuchen, mit den obdachlosen Menschen ins Gespräch zu kommen und sie mit Überlebensnotwendigem für die Nacht, also warmer Kleidung, Schlafsäcken und Isomatten zu versorgen. Auf Wunsch können sie sich auch in eine der Notunterkünfte bringen lassen. Träger der Alimaus und somit des Alimaus Kältebusses ist der Hilfsverein St. Ansgar e.V. in Hamburg.

 

Pressekontakt:

Christiane Hartkopf Leiterin der Alimaus
Nobistor 42
22767 Hamburg

Tel.: 040-31795759
team@alimaus.de www.alimaus.de

 

Hilfsverein St. Ansgar e.V.
Nobistor 42
22767 Hamburg

Telefon 040 31 79 57 59
Fax 040 31 79 57 60
E-Mail team@alimaus.de

 

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PM 31.3.19